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Leben und leben lassen auf Koh Pha Ngan

Leben und leben lassen auf Koh Pha Ngan

Ein Auszug aus dem Buch „Ab auf die Insel“ von Julius Gregor“

Es ist immer wieder erstaunlich, wie erfrischend es ist, nackt auf dem Motorrad durch einen Monsunguss zu fahren. Und allemal besser als für weniger Vergnügen einen Tag in einem luxuriösen Thermalbad teuer zu bezahlen. Nicht ganz im Adamskostüm natürlich, sondern immerhin noch in Cargo-Shorts mit vielen Taschen, in denen alles ist, was man so braucht. Ein kleines Bündel Geld, ein Messer, etwas Tabak und ein Feuerzeug. Das Nötigste halt. Mehr braucht es gar nicht.

Nackt durch den Monsun also, auf einer kleinen tropischen Insel, die Luft ist warm, der Regen ist mild, weder kalt noch lästig, eher angenehm, und man spürt ihn durch die Fahrtgeschwindigkeit hart auf dem Körper aufschlagen, Tropfen für Tropfen. Wie eine Fingermassage. Unter mir das Vibrieren des Zweitaktmotors meines Bikes. 110 Kubik. Tuk Tuk Tuk. Ich muss mir verkneifen, wie ein Schwachsinniger dabei zu grinsen, ich freu mich jedes Mal wieder aufs Neue. Es kommt oft so überraschend.

Wenn der Regen zu heftig zum Fahren wird, halte ich an und stelle mich am Wegesrand unter die Krone eines großen Tropenbaumes. Der größte Teil der Insel ist bewachsen von Dschungel, noch nicht in die Knie gezwungenes, zerklüftetes Hügelland für alles, was da so kreucht und fleucht auf Gottes Erden, am Tag und vor allem des Nachts, in den Tropen.

Zugegeben, die Mosquitos nerven. Außer den Tieren, die sie als Nahrungsquelle heranziehen, kann sie wirklich keiner gebrauchen. Und es gibt mindestens hundert Strategien, von denen allein ich schon gehört habe, um dieser Plage Herr zu werden respektive auszuweichen. Ich, für meinen Teil, habe den Kampf schon lange aufgegeben. In meinem Baumhaus gibt es über dem Bett ein Netz, zu den Dämmerungen mal ein Räucherstäbchen, dessen Geruch die Biester von unserem Menschengestank ablenken und fernhalten soll, doch ansonsten halte ich wohl als Blutränke hin. Bisher bin ich von ernsthaften Krankheiten aus dieser Richtung verschont geblieben (drei Mal auf Holz geklopft). Aber ehrlich, ich rechne täglich mit einem Denguefieberanfall. Und wenn ich ehrlich bin, lechze ich irgendwo in mir drin fast ein wenig danach, einfach um sagen zu können, damit bin ich auch schon durch. Wenn mir Freunde von hier von ihren Fieberdelirien erzählen, verspüre ich dabei manchmal fast so etwas wie Neid. Oder zumindest eine tropische Sehnsucht. Und ich will das auch dokumentiert wissen.

Irgendwas in mir wünscht sich eine tropische Krankheit. Wobei – Obacht – einmaliges Anstecken macht einen nicht immun, man kann das vier mal kriegen, denn es gibt vier verschiedene Arten. Dengue schlägt dann mit der Macht eines tropischen Fieberdampfhammers voll auf den Infizierten zu. Ist man aber halbwegs gesund und nicht Kleinkind oder Greis, kommt man da eigentlich ganz gut durch, je nach Art dauert die Chose ein bis drei Wochen inklusive Dehydrierung, Fieberwahn und Schüttelfrost. Also, nur her damit. Ich weiß mich wie ein Mann zu benehmen. Und notfalls sterbe ich auch wie einer. Lieber so als auf dem Bahnhofsklo. Ich will einen fiebernden Heldentod sterben! Ich will lieber von der Natur niedergestreckt werden als von einem Auto überfahren.

 

Leben und Arbeiten im Ausland

Conil

Der Trend, Deutschland den Rücken zu kehren und in der Fremde sein Glück zu suchen, hält seit Jahren unvermindert an. In mehreren TV-Serien kann man das Schicksal der Auswanderer verfolgen. Man muss kein Hellseher sein, um voraussagen zu können, dass sich das „Abenteuer Auswandern“ bei denjenigen am erfolgreichsten gestalten wird, die mit festen Vorstellungen und guter Vorbereitung den Schritt wagen. Wer blauäugig und mit eher unrealistischen Ideen in ein fremdes Land geht, um dort zu leben, für den gibt es nicht selten ein raues Erwachen.

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